Taiwan, ein von wenigen Staaten diplomatisch als unabhängig anerkannter Inselstaat, will seine Munitionsvorräte vervierfachen. Wie die Zeitung Taipei Times berichtet, plant das Verteidigungsministerium, die Bestände von einem Umfang, der für 30 Tage Kampfhandlungen ausreicht, auf einen Umfang für 120 Tage zu erhöhen. Damit soll die Armee auch bei einer Blockade Einsätze länger aufrechterhalten können.
Für die Auffüllung ist Taipei Times zufolge ein sechsjähriges Beschaffungsprogramm im Wert von 27,59 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 765 Millionen Euro) vorgesehen. Im Haushaltsentwurf des Ministeriums für 2027 sind dafür 7,3 Milliarden Taiwan-Dollar (202 Millionen Euro) eingeplant.
Das Programm müsse beschleunigt werden, sagte Generalleutnant Huang Wen-chi, Leiter der Abteilung für Strategische Planung. Die Munition, die bei den in den vergangenen Jahren häufiger gewordenen Manövern und Übungen verbraucht wurde, müsse ersetzt werden.
Vorrangig will Taiwan 120-mm- und 105-mm-Panzermunition, 30-mm-Munition für Maschinenkanonen sowie Munition für 155-mm-Haubitzen einkaufen.
Ursprünglich hatte das Ministerium die Munitionsbeschaffung und den Ausbau der heimischen Rüstungsproduktion in ein Sondergesetz zur Stärkung der Verteidigungsresilienz und der asymmetrischen Fähigkeiten aufgenommen, das ein Sonderbudget von 1,25 Billionen Taiwan-Dollar (rund 35 Milliarden Euro) über acht Jahre vorgesehen hatte. Das Parlament begrenzte das Sonderbudget jedoch auf 780 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 22 Milliarden Euro). Es räumte dem Kauf von US-Waffen Vorrang ein und nahm die Finanzierung für Munition und für den Bau oder Ausbau von Rüstungsbetrieben heraus.
Ende August hatte Reuters berichtet, dass Taiwan die Verteidigung des Penghu-Archipels eilig verstärkt, der nach Einschätzung von Experten als eines der Schlüsselglieder der Inselverteidigung gilt.
In den vergangenen Monaten meldete Taiwan wiederholt eine Zunahme der militärischen und maritimen Aktivität Chinas rund um die Insel. Im Juni erfasste die taiwanische Küstenwache 55 chinesische Schiffe, darunter Küstenwachschiffe und Forschungsschiffe. Das sind 83 Prozent mehr als im Vormonat.
China betrachtet Taiwan als seine Provinz und die Taiwanstraße als Gewässer unter seiner Jurisdiktion, die Regierung auf Taiwan als separatistisch. Die Regierung Taiwans weist die Ansprüche Pekings zurück.
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