China: Kindergarten vergiftete Kinder mit Blei - Verantwortliche erhalten lange Haftstrafen

Im Vergiftungsskandal in Nordwestchina sind die Urteile gefällt: Die Beteiligten müssen für lange Jahre hinter Gitter, die Hauptverantwortliche erhielt lebenslänglich. Die Leitung eines Kindergartens hatte bleihaltige Pigmente in das Essen der Kinder gemischt, um es appetitlicher erscheinen zu lassen.

Blei ist bekanntlich ein Schwermetall, das als starkes Nervengift wirkt, wenn es in oder an den menschlichen Organismus gelangt. Durch bleihaltige Wasserrohre und Schminke hat es schon die alten Römer krank gemacht. Besonders schwerwiegende Auswirkungen hat die Einnahme von Blei auf das sich noch entwickelnde Nervensystem von Kindern und Jugendlichen. Ihr Organismus nimmt zudem noch – bei oraler Einnahme – das Gift bis zu viermal effizienter auf als das bei Erwachsenen der Fall ist.

Diese besondere Gefährdung von Kindern hielt eine Kindergartenleitung im nordchinesischen Tianshui nicht davon ab, das Essen der ihr anvertrauten Kinder mit bleihaltigen Bestandteilen zu versetzen. Medienberichten zufolge sollten die beigemischten Industriefarben das Aussehen des Essens für Werbevideos optisch verbessern. Die Leiterin des Heshi-Peixin-Kindergartens hatte die Küchenmitarbeiter angewiesen, die giftigen Farben in den Teig zu rühren, obwohl die Warnhinweise auf der Verpackung eindeutig waren.

Wie die chinesische staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, kam diese skandalöse Handlungsweise im Juli 2025 ans Licht, weil bei medizinischen Untersuchungen die Blutproben von Kindern, die die Einrichtung besuchten, erhöhte Bleiwerte aufwiesen. Zu der Blutuntersuchung war es gekommen, nachdem sich Berichte über eine Krankheitswelle in dem Kindergarten häuften. Medienberichten zufolge sollen die in der Einrichtung betreuten Kinder über Bauchschmerzen und Übelkeit geklagt haben.

Betroffen waren insgesamt 247 Kinder. Auch bei dutzenden Mitarbeitern des Kindergartens gab es eine zu hohe Bleikonzentration im Blut. Als man Speiseproben aus der Kindergartenküche untersuchte, lag der Bleigehalt bis zu 2.000-mal über dem zulässigen chinesischen Standard.

Nachdem die örtlichen medizinischen Stellen zunächst gemauert und Testergebnisse manipuliert haben sollen, schritt die übergeordnete Behörde der Provinz Gansu ein. Die Regionalregierung leitete Ermittlungen gegen das verantwortliche Krankenhaus und das örtliche Gesundheitszentrum ein. Weitreichende Disziplinarstrafen gegen die Verantwortlichen, die mutmaßlich Bestechungsgelder angenommen hatten, sollen teilweise die Folge gewesen sein.

Als Sicherheitsmaßnahme führte China nationale Richtlinien für die Verpflegung in Kindergärten, Schulen und Universitäten ein. Dazu gehört die Verpflichtung, jede neue Lebensmittelcharge zu prüfen und die Grundnahrungsmittel Mehl, Reis und Speiseöl über zentrale Beschaffungssysteme zu beziehen.

Auch die Hauptverantwortlichen blieben nicht ungeschoren: Am 8. Juli 2025 kam es zur Verhaftung von acht Kindergarten-Mitarbeitern: Die Leiterin des Kindergartens, ein Investor und Teile Küchenpersonals wurden in Untersuchungshaft genommen. Einige Beschuldigte kamen auf Kaution frei. Mitte Oktober 2026 kam schließlich die Nachricht von der Verurteilung von sechs Angeklagten.

Xinhua zufolge lautete das Urteil für die Betreiberin des Kindergartens auf lebenslänglich. Auch ihr Privatvermögen wurde eingezogen. Der geschäftsführende Direktor erhielt eine 15‑jährige Haftstrafe und eine Geldstrafe. Vier beteiligte Küchenmitarbeiter müssen für sechs bis acht Jahre ins Gefängnis.

Nach Berichten chinesischer Medien, die sich auf einen Behördenbericht stützen, entsandte die Nationale Gesundheitskommission im Juli 2025 ein Expertenteam nach Tianshui, um Behandlungspläne für die mit Blei vergifteten Kinder zu entwickeln. Die Kinder wurden zunächst stationär im Krankenhaus behandelt, konnten das Krankenhaus jedoch größtenteils bald wieder verlassen. Auch eine Nachbehandlung war dem Bericht zufolge gewährleistet. Wie es den Kindern heute geht, ist unbekannt.

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