Während des Besuchs von Kasachstans Präsident Quassym-Schomart Tokajew in Brüssel wurden zwischen der EU und dem zentralasiatischen Land Handelsverträge im Wert von rund 10 Milliarden Euro unterzeichnet. Zentraler Posten dabei ist der Kauf von 50 Airbus A 320 durch die kasachische nationale Fluglinie Air Astana im Wert von 7,3 Milliarden Euro. Die Auslieferung soll 2031 beginnen. Zudem wurde ein Wartungsvertrag im Umfang von rund einer Milliarde Euro mit dem französischen Eisenbahnbauer Alstom abgeschlossen.
Jenseits dieser konkreten Vereinbarung blieb es bei Absichtserklärungen. Die EU beteuert, Kasachstan sei ein "strategischer Partner". Kasachstan wiederum bietet die Kooperation im Energiebereich und hinsichtlich Seltener Erden an. Die Europäische Union will sich aus der Abhängigkeit von Russland und China lösen, Kasachstan sagte seine Unterstützung zu. Neue Verträge in diesem Bereichen wurden jedoch nicht unterzeichnet.
Für die EU eher symbolische Bedeutung hat ein Luftverkehrsabkommen, das Fluggesellschaften in der Union die Aufnahme direkter Flüge nach Kasachstan erlaubt. Aufgrund der russischen Gegensanktionen ist der russische Luftraum für Fluglinien der EU geschlossen. Allerdings könnte Kasachstan direkte Verbindungen etablieren und damit eine alternative Reiseroute in Richtung Russland eröffnen.
Visafreies Reisen in die EU wird es für die Kasachen auch künftig nicht geben. Allerdings sollen die Visa-Gebühren gesenkt und die Bearbeitungszeiten verkürzt werden.
Die Europäische Union strebt zudem an, China hinsichtlich des Infrastrukturprojekts One-Belt-One-Road Konkurrenz zu machen. Sie will den mittleren Korridor ausbauen. In diesem Zusammenhabng wurden Vereinbarungen unterzeichnet, die zum Ziel haben, bestehende Hindernisse auszuräumen und Transportkapazitäten auszubauen. Die Ziele sind mittel- bis langfristig. Grundsätzlich gilt das Vorhaben der EU als wenig ambitioniert, unterfinanziert und daher als wenig aussichtsreich. Brüssel kommt einfach zu spät.
Auch im Bereich KI und Hochtechnologie bleiben die Verabredungen vage. Man sicherte einander die Bereitschaft zur Kooperation zu, vereinbarte aber keine konkreten Schritte.
Tokajew verfolgt eine multivektorale Außenpolitik. Ohne die engen Beziehungen zu China und Russland infrage zu stellen, ist Kasachstan zur Kooperation mit der EU bereit. Allerdings wird die Europäische Union ihre wirtschaftliche Macht dazu nutzen, politischen Druck auszuüben. Brüssel verfolgt in Zentralasien ebenso wie im Kaukasus das Ziel, die dortigen Länder aus dem russischen Einflussbereich zu lösen und sie an sich zu binden. Für ein souveränes Kasachstan ist es daher eine gute Nachricht, dass die Zahl der konkret getroffenen Vereinbarungen überschaubar ist.
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