Die französische Politikerin Marine Le Pen gilt nach aktuellen Umfragen als Favoritin für den Sieg bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr, nachdem ein Berufungsgericht ihre Kandidatur zugelassen hat.
Zwei am Mittwoch veröffentlichte Meinungsumfragen sahen Le Pen sowohl im ersten Wahlgang als auch in möglichen Stichwahlen vorn. Eine Erhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut Ifop im Auftrag des Fernsehsenders LCI und der Zeitung Le Figaro durchgeführt. Die zweite stammte vom Institut Toluna Harris Interactive für den Fernsehsender M6 und den Radiosender RTL.
Laut Ifop käme Le Pen im ersten Wahlgang auf 36 Prozent der Stimmen, während kein anderer Bewerber mehr als 19 Prozent erreichte. Harris Interactive sah sie bei 35 Prozent.
In einer Stichwahl gegen den ehemaligen Premierminister Édouard Philippe käme Le Pen laut Harris Interactive auf 49 Prozent, während Ifop ihr einen Sieg mit 54 Prozent prognostizierte. Gegen Gabriel Attal, ebenfalls ehemaliger Premierminister und wahrscheinlicher Kandidat der Partei Renaissance von Emmanuel Macron, sahen beide Umfragen Le Pen bei 55 Prozent. Zudem deuteten beide Erhebungen darauf hin, dass sie den Gründer der linken Partei La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon, mit deutlichem Vorsprung besiegen würde.
Die Umfragen deuteten darauf hin, dass Le Pen ihren Rückstand auf Jordan Bardella weitgehend aufgeholt hatte. Nach ihrer Verurteilung hatte sie ihn als möglichen Ersatzkandidaten für die Präsidentschaft benannt. Bardella unterstützt inzwischen ihre Kandidatur.
Le Pen, die langjährige Vorsitzende der rechten Partei Rassemblement National, hatte bereits 2017 und 2022 die Stichwahl um das Präsidentenamt erreicht. Sie hatte lange als Favoritin für die Nachfolge von Präsident Emmanuel Macron gegolten. Ihre Kandidatur für die Wahl 2027 war jedoch im vergangenen Jahr infrage gestellt worden, nachdem sie wegen der Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt worden war. Le Pen war zu vier Jahren Haft, einer Geldstrafe sowie einem fünfjährigen Verbot der Ausübung öffentlicher Ämter verurteilt worden.
Am Dienstag bestätigte ein Berufungsgericht zwar das Urteil, verkürzte jedoch das Verbot, sodass Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2027 antreten kann.
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