FT: Krise um Regierung in Kiew verschärft sich – Ex-Verteidigungsminister lehnt Rückkehr ab

Wladimir Selenskij sieht sich mit einer Krise um die Militärführung konfrontiert, nachdem der Verteidigungsminister ein Angebot zur Rückkehr in die Regierung abgelehnt hat, schreibt die Financial Times. Zudem werden die Stimmen gegen den Oberkommandierenden Alexander Syrski lauter.

Am Wochenende hat Präsident Wladimir Selenskij versucht, den abgesetzten Verteidigungsminister Michail Fjodorow zurückzuholen. Laut einem Bericht der Zeitung Financial Times (FT) möchte Fjodorow selbst nur auf den Posten des Verteidigungsministers zurückkehren. Mittlerweile löste der Rücktritt landesweite Proteste aus. Die Demonstranten forderten die Rückkehr von Fjodorow und die Entlassung des Oberkommandierenden Alexander Syrski.

Syrski jetzt im Amt zu belassen, hieße nicht nur, den Willen der Gesellschaft zu ignorieren, sondern auch die Armee zu demoralisieren, argumentierten die Demonstranten nach FT-Angaben. Sie drohten mit "unbefristeten" Protesten, sollte Syrski nicht noch diese Woche abgesetzt werden. Außerdem forderten sie, dass die Ukraine den neuen Ansatz bei den Kampfhandlungen übernehmen müsse, den Fjodorows Innovationen ermöglicht hätten. Die Proteste zur Unterstützung von Fjodorow, die am Donnerstag in Kiew begannen, weiteten sich inzwischen auf mindestens 16 Städte der Ukraine aus.

Vor diesem Hintergrund habe Selenskij Fjodorow eine leitende Position im Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat angeboten, mit direktem Zugang zum Präsidenten und der Befugnis, die Innovationen im Bereich Verteidigung und die Militärreform zu überwachen, hieß es im FT-Bericht. Der Präsident habe sich am Wochenende für etwa sechs Stunden mit Fjodorow getroffen und stehe seit dessen Entlassung am Donnerstag fast täglich mit ihm in Kontakt. Es sei zudem über andere mögliche Stellen für Fjodorow gesprochen worden, die er jedoch ablehne. Eine Quelle der Zeitung betonte:

"Er hat derzeit eine starke Verhandlungsposition. Er will nur eines, und zwar wieder [als Verteidigungsminister] ernannt zu werden. Er weiß, er hat die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite."

Die Situation um Fjodorow habe das Dilemma hinsichtlich Syrski verschärft. Ein Wechsel in der militärischen Führung berge die Gefahr, eine wichtige Institution zu schwächen. Darüber hinaus gelte Syrski als enger Verbündeter von Selenskij und habe laut FT-Quellen militärische Pläne mehrmals nach den Wünschen des Präsidenten abgestimmt. Selenskij habe sich am Wochenende mit mehreren potenziellen Kandidaten für die Stelle des Oberkommandierenden getroffen, darunter Michail Drapaty, Chef des Gemeinsamen Kommandos der Streitkräfte, Wladimir Gorbatjuk, stellvertretender Generalstabschef, sowie Oleg Apostol, Kommandeur der Luftsturmtruppen.

Laut FT gewinnt die Förderung jüngerer Offiziere generell an Dynamik. Diese seien eher durch den Konflikt mit Russland als durch die sowjetische Militärtradition geprägt. Befürworter argumentierten, dass jüngere Kommandeure besser mit den neuen Realitäten des Krieges vertraut seien.

Mehr zum ThemaKampf um das "fetteste Ressort" – Warum der "innovativste" Minister der Ukraine entlassen wurde