Finnland verliert nach Angaben des Vorsitzenden der finnischen öffentlichen Organisation Naapuriseura, Jauri Varvikko, jährlich fast eine Milliarde Euro, weil russische Touristen ausbleiben. Dies erklärte Varvikko gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti:
"Russische Touristen brachten Finnland jährlich Einnahmen von fast einer Milliarde Euro. Der größte Teil dieses Geldes blieb dabei in Südost- und Ostfinnland."
Besonders stark mache sich das Wegbleiben russischer Reisender in den Grenzstädten Lappeenranta und Imatra bemerkbar. Die Tourismus- und Handelsinfrastruktur der beiden Städte war auf rund 1,5 Millionen Besucher aus Russland pro Jahr ausgerichtet. Hotels, Restaurants, Spa-Zentren, Einkaufszentren, Outlet-Dörfer, Tankstellen und Geschäfte des täglichen Bedarfs profitierten von der Nachfrage der russischen Touristen. Nach der Schließung der Grenze hat ein großer Teil der Unternehmen seine gewohnte Kundenbasis verloren. Varvikko führte weiter aus:
"Die Einnahmen von Hotels, Restaurants und Spa-Zentren sind drastisch zurückgegangen."
Seinen Angaben zufolge handelt es sich dabei nicht um einen vorübergehenden Abschwung, sondern um ein strukturelles Problem. Die Wirtschaft und Infrastruktur Ost- und Südostfinnlands seien über Jahrzehnte hinweg auf den grenzüberschreitenden Handel und die Kaufkraft russischer Bürger ausgerichtet gewesen.
Auch Jahre nach dem Ende des russischen Tourismus konnten die Gemeinden in Ostfinnland die entstandenen Verluste demnach nicht ausgleichen. Die Wirtschaft der Region ist infolge des Wegfalls russischer Touristen und der Schließung der Grenzübergänge stark geschrumpft.
Zudem warnte Varvikko vor den demografischen Folgen. Den an Russland grenzenden Regionen Finnlands droht eine beschleunigte Abwanderung der Bevölkerung. Die seit November 2023 geltende Grenzschließung könnte die wirtschaftlichen Probleme der Grenzgebiete weiter verschärfen. Die Arbeitslosenquote nähert sich dort bereits der Marke von 20 Prozent.
Auch der ehemalige finnische Abgeordnete Ano Turtiainen bezeichnete die Schließung der Grenze zu Russland als "Katastrophe" für Finnland. Er sagte, jeder Russe, der derzeit ins Land komme, werde von der Situation vor Ort enttäuscht sein.
Nach Einschätzung anderer Quellen beschränken sich die wirtschaftlichen Probleme allerdings nicht allein auf die Grenzregionen. So berichtete das Nachrichtenportal Euractiv zuvor, dass die Schließung der Grenze den ostfinnischen Regionen erheblich geschadet habe. Auch die Landwirtschaft sei betroffen. Demnach sind die Kosten für finnische Landwirte um rund 30 Prozent gestiegen, da der Zugang zu günstigen Rohstoffen aus Russland weggefallen ist.
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