"Merz steigt in den Wahlkampf in Ostdeutschland ein", so die Zusammenfassung der Medienagenturen zum gestrigen Aufenthalt von Bundeskanzler Merz und seiner Entourage in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Beim ersten Termin in Mecklenburg-Vorpommern war der Kanzler laut NDR "auf ein Fischbrötchen in Kühlungsborn", um jedoch direkte Gespräche mit Bürgern zu umgehen. In Sachsen-Anhalt standen die Besichtigung einer Kirche sowie laut Medien Gespräche mit Landtagskandidaten und Lokalpolitikern an. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spitzenkandidat Sven Schulze warnte der Kanzler vor einem Sieg der "Wutbürger" und der AfD.
Sechs Tage vor dem Wahltermin in Sachsen-Anhalt reiste Bundeskanzler Friedrich Merz aus der Hauptstadt zuerst an die Strandpromenade des Seebads Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern (Wahltermin am 20. September), um sich dort mit dem CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters beim Fischbrötchenverzehr von der mitgereisten Presse dokumentieren zu lassen. Der NDR erinnert hinsichtlich der taktischen Ortswahl:
"Ausgerechnet Kühlungsborn. Im Frühjahr 2025 schwappte hier eine Austrittswelle durch den CDU-Stadtverband. Mehr als 20 Mitglieder verließen die Partei ‒ aus Unzufriedenheit mit der Politik von Friedrich Merz."
Ein ZDF-Bericht erklärt den Zuschauern den "Fischbrötchen-Wahlkampf" der CDU. Demnach habe der Kanzler "drei Fischbrötchen verzehrt", davor und im Anschluss jedoch keine Rede vor den zahlreichen interessierten Menschen vor Ort gehalten. Eine Bürgerin erklärte dem Fernsehteam zu ihrem Ärger:
"Es ist sehr enttäuschend, dass er diesen weiten Weg auf sich nimmt. Wenn ich überlege, was das kostet, das hier abzusperren, dann sagt er nichts. Diese Vorstellung hätte ich mir als Bundeskanzler erspart."
Laut ZDF-Informationen wurde "ein großer geplanter Auftritt" des Kanzlers in der Region kurzerhand abgesagt. Merz lobte vor der Presse "die touristische Kraft der Region". Mecklenburg-Vorpommern habe Chancen, "die besser genutzt werden müssten", erklärte er und bedauerte dabei, dass die SPD "vor fünf Jahren mit der Linken und nicht mit der CDU koalieren wollte: Dann wäre das Land heute sicher weiter." Nun kämpfe die Partei "für ein gutes Ergebnis" bei der Landtagswahl in drei Wochen, bei der sie aktuell überschaubare zehn Prozent Zustimmung erfährt.
Im Anschluss fuhr die Entourage direkt weiter nach Sachsen-Anhalt, wo sich Merz mit dem dortigen Spitzenkandidaten Sven Schulze traf. "In seiner Limousine, ohne auszusteigen", habe sich Merz laut Tagesspiegel auf den Schlossberg in Quedlinburg fahren lassen.
Dort lautete die Planung laut Agenturinformation der dpa:
"In Quedlinburg im Harz nimmt Merz heute an einer Gesprächsrunde mit Kandidaten für den Landtag teil, wird von Ministerpräsident Sven Schulze durch den Schlossgarten geführt und äußert sich dann gemeinsam mit dem CDU-Spitzenkandidaten vor Kameras."
Sven Schulze erklärte dann wörtlich vor der Presse, dass es "Wunsch der CDU vor Ort war, diesen Termin so stattfinden zu lassen".
Die Mainstreampresse stellt in ihren Überschriften vor allem die markanteste Aussage des Kanzlers heraus. So habe Merz in seinen Ausführungen nicht explizit die AfD genannt, jedoch indirekt "vor einer Wahl der Partei" gewarnt. Sachsen-Anhalt sei laut dem Kanzler "ein modernes Land, ein Industriestandort. Die gute Stimmung müsse bleiben", so Merz. Wörtlich gab er zu Protokoll:
"Sachsen-Anhalt darf kein Experimentierfeld für Wutbürger werden. Das geht am Ende zulasten der Bürger von Sachsen-Anhalt."
Weiter erklärte der Kanzler mahnend, sollte das Bundesland nach der Wahl am Sonntag "unregierbar sein" oder sich eine Mehrheit "der rechtspopulistischen Partei" ergeben, würden es sich vermeintlich "internationale Investoren dreimal überlegen, ob sie noch in Sachsen-Anhalt investieren", so Merz.
Spitzenkandidat Schulze habe laut Zeit-Artikel "bisher nicht den Eindruck [erweckt], dass er ranghohen Besuch der Bundespartei besonders schätzt ‒ im Gegenteil". Der 47-jährige Ministerpräsident grenze sich nachweislich "von Berlin ab und macht sogar gegen die CDU-Zentrale Wahlkampf" (RT DE berichtete).
Die Welt-Redaktion resümierte zu der Kurzvisite des Kanzlers, dass dieser "sich bei seinem ersten Auftritt in den ostdeutschen Wahlkämpfen bemüht" habe, ein schwaches Abschneiden "seiner CDU von seiner Arbeit zu entkoppeln".
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