Nach über 30 Jahren ist Deutschland noch immer deutlich geteilt, vor allem bei den Vermögen. Das bestätigte sich jetzt auch wieder, als das statistische Bundesamt die Verteilung von Erbschaften und Schenkungen im Jahr 2025 bekannt gab.
Pro Kopf wurden im Westen in diesem Jahr 2.100 Euro vererbt und verschenkt, im Osten aber nur 500 Euro. Während 19 Prozent der Bevölkerung in den östlichen Bundesländern samt Berlin leben, finden dort, was den Wert betrifft, nur fünf Prozent der Erbschaften und Schenkungen statt. Allerdings gibt es dabei eine kleine Einschränkung – es handelt sich hier nur um die zu versteuernden Erbschaften und Schenkungen.
Das dürfte aber auch nicht für einen Ausgleich sorgen, denn gerade große Vermögen profitieren in Deutschland von extrem günstigen Steuerregelungen. So wurde im Juni veröffentlicht, dass Erben von mehr als 26 Millionen Euro im Jahr 2025 insgesamt Steuern in Höhe von 5,9 Milliarden Euro erlassen wurden, aufgrund einer eigenartigen Bedürftigkeitsregel im deutschen Steuerrecht. Der Median des vererbten Betrags lag hier bei 115 Millionen Euro. Was natürlich bei der aktuell vorliegenden Statistik bedeutet, dass der Betrag der vererbten oder verschenkten Vermögen noch einmal um 19,5 Milliarden Euro erhöht werden müsste, die in dieser Statistik nicht erfasst sind, weil sie eben nicht besteuert wurden. Alle diese Fälle lagen im Westen.
Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2025 21,4 Milliarden Erbschaft- und Schenkungsteuer festgesetzt. Zusammen mit den wegen "Bedürftigkeit" nicht eingeforderten 5,9 Milliarden wären das dann 27,3 Milliarden.
Die Erbschaft- und Schenkungsteuer ist eine Ländersteuer. Die östlichen Bundesländer nahmen an dieser Steuer insgesamt nur eine Milliarde Euro ein; also weit weniger, als allein das Land Bayern an die besonders Reichen verschenkte – das waren nämlich 2,37 Milliarden oder mehr als ein Zehntel der insgesamt in Deutschland erhobenen Steuer.
Nicht enthalten sind in dieser Statistik auch jene Erbschaften und Schenkungen, die unter den jeweiligen Freibeträgen liegen. Es gibt jedoch dennoch statistische Zahlen über den Medianwert von Erbschaften in Ost und West: in Westdeutschland liegt er bei 35.000 Euro, im Osten bei 12.500.
Auch beim Pro-Kopf-Vermögen ist ein deutlicher Unterschied sichtbar. Im Westen liegt das Medianvermögen im Westen bei 143.000 Euro (2024), im Osten nur bei 35.900.
Aber nicht nur zwischen Ost und West, auch innerhalb der gesamten deutschen Bevölkerung sind Vermögen – und in der Folge auch Erbschaften und Schenkungen – sehr ungleich verteilt. Die unteren 50 Prozent der Deutschen verfügen über nur bis zu drei Prozent des Gesamtvermögens und kann auch, weil kein Geld zum Sparen übrig bleibt und Wohneigentum utopisch ist, kein Vermögen bilden.
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