Am vergangenen Freitag gab das Statistische Bundesamt die Zahlen für das vergangene Jahr 2025 heraus. Demnach haben sich im Jahr 2025 insgesamt 11.334 Menschen in Deutschland das Leben genommen. Insgesamt bleibt der Anteil des Suizids an den Todesursachen ähnlich wie in den Vorjahren bei 1,1 Prozent.
Dennoch ist der Anstieg der vollendeten Suizide signifikant. Es waren im Jahr 2025 9,3 Prozent mehr Fälle als im Jahr 2024. Im Vergleich zum Zehnjahresmittel betrug die Zunahme sogar mehr als 15,6 Prozent. Im Jahr 2024 hatten 10.372 in Deutschland lebende Menschen ihr Leben durch eigene Hand beendet.
Damit verfestigt sich eine seit dem Jahr 2022 spürbar gewordene Tendenz zu mehr Suizidfällen. Lange Zeit sah es danach aus, als könnten eine vermehrte Suizidprävention und eine bessere psychiatrische Behandlung in Deutschland die Selbstmorde dauerhaft senken. In den 80er-Jahren hatten sie teilweise noch 18.000 Fälle pro Jahr umfasst. Im Jahr 2019 waren sie auf den bisher niedrigsten Wert von 9.041 vollendeten Suiziden gesunken. Seitdem stiegen die Fälle wieder, besonders stark ab dem Jahr 2022.
Das Statistische Bundesamt konstatiert, dass der traditionelle Überhang von Suiziden bei Männern gegenüber den Selbsttötungen bei Frauen vergleichsweise konstant geblieben ist. Das Geschlechterverhältnis bei den Tötungen von eigener Hand beträgt 69,2 zu 30,8 Prozent.
Allerdings ist auch zu beobachten, dass seit 2023 die Zahl der Frauen, die Hand an sich legen, deutlich gestiegen ist. Die Behörde verweist auf eine Zunahme vollendeter Selbsttötungen bei Frauen um 17,9 Prozent. Bei Männern fiel die Zunahme mit 5,8 Prozent weitaus geringer aus.
Die Statistik umfasst allerdings nur vollzogene Selbstmorde, bei denen die Suizidenten ums Leben kamen. Nach Angaben der Deutschen Akademie für Suizidprävention e. V. (DASP) beträgt die Anzahl der Suizidversuche 100.000 Fälle pro Jahr. Den Informationen der Akademie zufolge werden Suizidversuche besonders häufig von Frauen und in jüngerem Lebensalter unternommen, vollendete Suizide betreffen hauptsächlich Männer und Senioren. Das durchschnittliche Lebensalter eines durch Suizid Verstorbenen liegt demnach bei ca. 58 Jahren, könnte aber noch ansteigen.
Das hohe Alter derjenigen, die ihren Suizidversuch bis zum Tod vollenden, weist auf eine Ursache des Anstiegs hin. Denn Senioren sind in Fällen des sogenannten assistierten Suizids überrepräsentiert. Und die Anzahl dieser Form des Selbstmords nimmt zu.
Darauf verweist die Tagesschau unter Heranziehung von Informationen der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben und der Stiftung Depressionshilfe. Seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020 ist die Tätigkeit von Sterbehilfeorganisationen in der BRD wieder zugelassen. Seitdem steigt die Zahl der Menschen, die die nunmehr legale Möglichkeit auf begleiteten Suizid in Anspruch nehmen. Diese besondere Form des Selbstmords wird allerdings in der Statistik nicht gesondert ausgewiesen.
Informationen der Nachrichtenagentur AFP zufolge, die sich auf drei in Deutschland tätige Sterbehilfeorganisationen beruft, ist die Zahl der assistierten Suizide im Jahr 2025 um 31,8 Prozent auf 1.288 Fälle gestiegen. Im Jahr 2021 waren es noch weniger als 400 gewesen.
Ulrich Hegerl, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, kritisiert diese immer mehr Akzeptanz erfahrende Praxis: "Wenn Suizidassistenz geschäftsmäßig in Anspruch genommen werden kann, sozusagen normalisiert wird, dann wird diese Schwelle gesenkt, und die Zahl der tragischen, vermeidbaren Suizide steigt", erklärte der bekannte deutsche Psychotherapeut und Psychiater.
Auch die Alterung der deutschen Gesellschaft spielt eine Rolle beim Anstieg der vollendeten Suizide. Denn den Erkenntnissen der Stiftung zufolge geht ein höheres Lebensalter mit höheren Selbsttötungsraten einher.
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