Recherchen der Springer-Medien Welt am Sonntag (WamS) und Business Insider zufolge steht ein Pilot der Luftwaffe unter dem Verdacht, sexuelle Straftaten gegen seine minderjährigen Stieftöchter begangen zu haben. Er soll seine damals minderjährigen Stieftöchter sowie weitere Minderjährige beim Duschen und Baden heimlich gefilmt haben. Seit November 2024 ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder in dem Fall, wie sie der WamS bestätigte.
Laut der Schilderung der damaligen Lebensgefährtin des Offiziers hatte dieser eine Überwachungskamera im Bad des gemeinsam bewohnten Hauses angebracht. Die Kamera war demnach auf Dusche, Badewanne und Waschbecken ausgerichtet und in einer Kunstpflanze versteckt. Die Frau – ebenfalls Soldatin – entdeckte im November 2024 ihren Aussagen nach die Installation und warf ihren damaligen Partner aus dem Haus. Dabei soll er die Kamera sowie weitere Datenträger "hektisch" mit sich geführt haben.
Gegenüber den Springer-Medien wollte der beschuldigte Bundeswehr-Offizier nicht Stellung nehmen. Laut WamS soll er jedoch die Taten gestanden und sich in einem Chatverlauf als "pornosüchtig" charakterisiert haben. Betroffen von dem voyeuristischen Frönen waren demnach die damals 14 und 17 Jahre alten Stieftöchter des Mannes, womöglich auch jüngere Töchter von Freunden und Bekannten der Familie. Die Kamera soll mindestens für zehn Monate im Bad installiert gewesen sein. Mittlerweile liegen der Polizei vier Anzeigen vor.
Allerdings gibt es den Springer-Recherchen zufolge Widersprüche in der Darstellung des Falls, auf die ihnen vorliegende interne Dokumente hinweisen. Demnach war in der Strafanzeige das Alter der älteren Stieftochter fälschlicherweise mit zwanzig Jahren angegeben worden. Das jüngere Mädchen wurde gar nicht erwähnt. Erst eine Woche später soll es nach Befragungen der Mädchen zu einer Richtigstellung gekommen sein.
Die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium hatten nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe den Offizier vorübergehend vom Dienst entbunden. Das Verteidigungsministerium soll erst seit Dezember 2025 im Bilde gewesen sein, die Führung der Bundeswehr soll bereits früher über die mutmaßlichen Verfehlungen Bescheid gewusst haben, da sich der Beschuldigte gegenüber seinen Dienstvorgesetzten selbst angezeigt habe. Der Mann soll zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Sexualvergehen als Ausbildungsdirektor tätig gewesen sein.
Nach einer Reha beschäftigt den Oberstleutnant der Berichterstattung zufolge das Operative Führungskommando der Bundeswehr. In dieser sensiblen Position ist er demnach Geheimnisträger mit der sogenannten Sicherheitsüberprüfung Ü2. Über das Sicherheitsrisiko, dass der Offizier erpressbar sein könnte, weil er möglicherweise ein Sexualdelikt begangen hat, müsste die Bundeswehrführung also Bescheid wissen.
Die Luftwaffe und der derzeitige Vorgesetzte des beschuldigten Oberstleutnants lehnten eine Stellungnahme ab, ebenso der Wehrbeauftragte Henning Otte von der CDU. Hintergrund sind datenschutzrechtliche Bedenken.
Das Bundesministerium der Verteidigung zieht sich auf Allgemeinplätze zurück. Eine Sprecherin von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte der Berichterstattung zufolge, dass die Bundeswehr sexualisiertem Fehlverhalten in jeder Form mit einer Null-Toleranz-Linie begegne, entsprechende Verdachtsfälle konsequent verfolge und bei Bestätigung ausnahmslos ahnde.
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