Der US-israelische Krieg gegen Iran hat einen "nie dagewesenen" Schock auf den globalen Energiemärkten ausgelöst und etwa drei Milliarden Barrel Ölangebot entfernt, warnte der Chef des saudi-arabischen Ölunternehmens Aramco (zu 97,5 Prozent im direkten oder indirekten Staatsbesitz).
Der Krieg, der im Februar begann, hat die Straße von Hormus effektiv geschlossen, eine wichtige Arterie für Öl und LNG, was die Preise für Rohöl um 50 Prozent in die Höhe schießen ließ. Obwohl die Exporte aus den Golfstaaten auf bis zu 80 Prozent des Vorkriegswerts zurückgekehrt sein sollen, hielten die wiederholten Angriffe auf Schiffe den Markt weiter unter Spannung und die Ölsorte Brent erreichte diese Woche ein Fünfmonatshoch mit mehr als 112 US-Dollar pro Barrel. Die Angriffe der Huthi auf saudische Energieinfrastruktur haben mit zur Krise beigetragen und eine weitere Engstelle des globalen Handels bedroht, die Straße von Bab al-Mandab im Roten Meer.
In einem Interview mit Al Arabiya Business, das am Donnerstag gesendet wurde, sagte Aramco-Chef Amin Nasser, die beinahe acht Monate währende Krise habe den weltweiten Märkten geschätzt drei Milliarden Barrel Öl entzogen.
"Die Folgen dieser Krise auf den Energiemärkten ist nie dagewesen", sagte er. "Wir haben etwa drei Milliarden Barrel verloren, seit sie begann. Und denken Sie daran, dass der Golf etwa 20 Prozent der globalen Ölnachfrage befriedigt."
Die Zahl entspricht beinahe einem Monat des globalen Ölverbrauchs und fasst die Angebotsverluste durch unterbrochenen Schiffsverkehr, reduzierte Produktion und logistische Engpässe zusammen.
Nachdem die globalen Ölvorräte bereits unter ihrem fünfjährigen Durchschnitt lagen, als der Krieg ausbrach, hätten die Preise auf über 200 US-Dollar pro Barrel steigen können. Die Freigabe strategischer Reserven, Chinas scharfe Reduzierung von Ölimporten über See und Aramcos Ost-West-Pipeline, die die Straße von Hormus umgeht, hätten einen noch ernsteren Energiepreisschock verhindert.
Nasser warnte jedoch, selbst ein Ende der Krise könne neuen Druck auf den Ölmärkten erzeugen, da ein sich erholender Verbrauch und das Bedürfnis, die preisgegebenen Reserven wieder aufzufüllen, die Nachfrage vermutlich deutlich erhöhen dürften.
"Sobald die Dinge wieder normal werden, rechnen wir mit einer zusätzlichen Nachfrage von etwa drei Millionen Barrel pro Tag – etwa zwei Millionen aus einer gesteigerten Nachfrage, und eine weitere Million, um die Reserven wieder aufzufüllen, die die Länder während der Krise verbraucht haben", sagte er und merkte an, die zusätzliche Nachfrage könne die Märkte noch lange nach Wiedereröffnung der Schifffahrtsrouten angespannt halten.
Frische Furcht vor der Eskalation
Währenddessen wächst die Angst vor einer erneuten Eskalation, nachdem die Gespräche zwischen den USA und Iran weiter stillstehen. Berichte am Mittwoch besagtem, Washington ziehe unauffällig Truppen aus Stützpunkten in Jordanien, Katar und Kuwait ab, evakuiere einige Diplomaten und deren Familien aus Saudi-Arabien und bereite andernorts ähnliche Maßnahmen vor. Vor dem Angriff der USA und Israels auf Iran am 28. Februar hatte Vergleichbares stattgefunden.
Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump letzten Monat Teherans Vorschlag abgelehnt, im Gegenzug für eine Aufhebung der US-Blockade iranischer Häfen, eine Erleichterung bei Einschränkungen des Ölexports, einer Freigabe iranischer Guthaben und einem Ende regionaler Feindseligkeiten, darunter auch Israels Kriegsführung im Gazastreifen und im Libanon, Hormus zu öffnen.
Washington und Israel sollen seitdem eine weitere größere Offensive diskutiert haben, möglicherweise bald nach den US-Zwischenwahlen am 3. November. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat offen damit gedroht, Iran erneut anzugreifen, selbst ohne US-Unterstützung.
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