Europa

Bioverband Demeter verurteilt Gen-Patentierung und wirbt für "enkeltaugliche" Landwirtschaft

Mit dem neuen für die EU geplanten Gentechnikgesetz erwarten Lebensmittelkonzerne mehr Profite denn je. Die im Labor mit CRISPR-Gentechnik erzeugten Pflanzen brauchen weder für die regionalen Böden geeignet zu sein noch ins Ökosystem zu passen – Hauptsache ist, sie lassen sich profitabel patentieren und in der Vermarktung monopolisieren.
Bioverband Demeter verurteilt Gen-Patentierung und wirbt für "enkeltaugliche" LandwirtschaftQuelle: www.globallookpress.com © Wolfgang Kumm / dpa

Mit einer Deregulierung von Neuen Gentechniken (NGT) sollen nach dem Willen der EU-Kommission für die EU neue Gentechnikverfahren in der Lebensmittelerzeugung ohne breite gesellschaftliche Diskussion zugelassen werden. Nicht nur auf die Ökologische Landwirtschaft, sondern auf die gesamte Land- und Lebensmittelwirtschaft hätte die Zulassung dieser neuen Gentechnik zerstörerische Auswirkungen, warnt der Bericht des Biobauernverbands Demeter vom vergangenen Dienstag. Die Bioproduktion stehe demnach vor größter Bedrohung:

"Die Neue Gentechnik hängt wie ein Damoklesschwert über Bio-Züchtern, -Erzeugern, -Verarbeitern und dem Handel."

Im Dezember soll für die EU über die Zulassung – sprich Deregulierung – von Produkten, die mit der neuen Gentechnik CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) produziert werden, entschieden werden. Die Zulassung der neuen Gentechnik wird von derAgrar-Lobby-Industrie gefordert – entgegen dem Willen der Mehrheit der EU-Bürger übrigens, schreibt Demeter.

Auf der am 28. November durchgeführten Herbstkonferenz von Demeter hatte Dr. Ophelia Nick, MdB und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), mit einem Referat beigetragen. Sie kritisierte die Zulassung der Neuen Gentechnik (NGT) und forderte zudem den Erhalt der Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die gentechnisch produzierte Bestandteile enthalten.  

"Wir brauchen keine Zwangsöffnung der Branche für NGT … Verbraucher sollen allumfassend Entscheidungsfreiheit behalten ... Für die aktuellen Krisen bieten NGT keine Lösungen. Ganz im Gegensatz zu einer Landwirtschaft, die sich am Prinzip des ökologischen Landbaus orientiert und direkt und unmittelbar Mehrwerte für Umwelt, Natur, Klima, Tier und Menschen schafft", erklärte Dr. Ophelia Nick.

Neues renditegetriebenes Geschäftsmodell für die Ernährungsindustrie

Die neuen Technologiebauern betrachten Pflanzen und Saatgut nicht mehr als integrierte Teile eines umfassenden Ökosystems, zu der auch die Ernährung von Mensch und Tier gehört, sondern vor allem als ein "renditegetriebenen Business". Mit der neuen CRISPR-Gentechnik erhoffe man sich noch mehr Profite. Dafür würde man die Zerstörung nicht nur der Bio-Landwirtschaft, sondern der ganzen Gentechnikfreien Land- und Lebensmittelwirtschaft in Kauf nehmen. Der Agrarwissenschaftler und Geschäftsführer des größten Demeter-Landesverbandes (von Baden-Württemberg) Dr. Christoph Reiber erklärte dazu: 

"Falls sich diese politischen Interessen durchsetzen, würden den verbindlich vereinbarten politischen Zielen für mehr Bio nicht nur massive Steine in den Weg gelegt, sondern die gesamte gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie die gesamte Bio-Branche in Deutschland und in Europa wäre ernsthaft bedroht. Genau zu einem Zeitpunkt, an dem sich eigentlich das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und für mehr Schutz der Biodiversität durch Ökolandwirtschaft verbreiten soll."

Ähnlich argumentierten Theo Düllmann und Franz Häußler vom "Bündnis für eine agro-gentechnikfreie Region Ulm". Herbert Völkle vom Dachverband Ökologische Pflanzenzüchtung in Deutschland e.V. machte deutlich, warum man robuste und dem jeweiligen Bodenbeschaffenheit und dem regionalen Klima angepasste Pflanzen nicht mit der Technik der sogenannten Gen-Schere im Labor erzeugen kann. Dadurch würde die Entfremdung zwischen den lokalen Ökosystemen und den künstlich erzeugten Laborpflanzen nur noch zunehmen. Völkle stellte dazu fest:

"Wir als Ökozüchter setzen auf Vielfalt als einen der wichtigsten Bausteine für Klimaanpassung. Denn Pflanzen und Boden müssen mit unterschiedlichsten Wetterbedingungen klarkommen: Starkregen und Dürre, Wind und Hitze. Diese Anpassungsfähigkeit erreicht man nicht mit der Genschere. Im Gegenteil: durch die nicht einlösbaren Versprechen, im Labor klimaangepasste Pflanzen zu entwerfen, nimmt die Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Züchtung zu."

Saatgut-Monopolisierung und -Patentierung sind Angriffe auf die Artenvielfalt

Die neue Gentechnik sei alles andere, nur nicht nachhaltig. Aber weil man diese per Gen-Schere im Labor erzeugten Pflanzen patentieren könne, sei ihr Mehrwert für die Ernährung der Menschen und ihre Auswirkung auf das Ökosystem nur zweitrangig. Die neuen Pflanzen ließen sich nämlich patentieren. Durch Reduktion auf einige wenige monotone Sorten mit solchem Urheberschutz könnten die Agrarkonzerne und deren Aktionäre Riesenprofite erwarten. Das bedeute einen umfassenden Angriff auf die Artenvielfalt auf diesen Planeten, warnt Demeter weiter:

"Ein massiver Angriff auf die Saatgutautonomie der Landwirte und auf jegliche Grundlage nachhaltiger Landwirtschaft: Biodiversität und Artenvielfalt."

Zudem soll im neuen Gesetzesentwurf für die EU die Kennzeichnungspflicht für gentechnische Bestandteile entfallen. Damit hätten die Verbraucher auch keinerlei Chance mehr, sich für oder gegen den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu entscheiden. Demeter fordert die Bürger auf, möglichst viele EU-Abgeordnete zu kontaktieren ihnen unter dem Motto "Für eine enkeltaugliche Landwirtschaft" ihre Meinung über das geplante neue Gentechnikgesetz zu schreiben: "Sagen Sie unseren Europa-Abgeordneten Ihre Meinung: Nein zur Deregulierung der Neuen Gentechniken!"

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