
Kubas Energieminister schlägt Alarm: Es gibt weder Heizöl noch Diesel auf der Insel

Der Treibstoffmangel in Kuba hat ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Der Minister für Energie und Bergbau, Vicente de la O Levy, teilte am Mittwochabend (Ortszeit) in der Fernsehsendung "Mesa Redonda" (auf Deutsch: Runder Tisch) mit, dass es im Inselstaat keinen Tropfen Diesel und Heizöl mehr gebe. Es gebe absolut keine Vorräte mehr. Der Politiker wandte sich in diesem Zusammenhang an die internationale Gemeinschaft:
"Kuba ist offen für jeden, der bereit ist, uns Treibstoff zu verkaufen."
Die Situation sei sehr angespannt, stellte der Minister fest. Nach Angaben der spanischen Zeitung El País war es am Dienstagabend wegen der kontinuierlichen Stromabschaltungen in Havanna sogar zu Protesten gekommen. Der Politiker gab die triste Realität der Bevölkerung bekannt:
"Derzeit dauern die Stromabschaltungen in Havanna mehr als 20 bis 22 Stunden pro Tag."
Laut de la O Levy sei inzwischen die letzte Brennstoffladung aus dem Ausland verbraucht. Damit meinte er offenbar die 100.000 Tonnen Rohöl, die Russland Ende März nach Kuba trotz der US-Blockade geliefert hatte. Es handelte sich um humanitäre Hilfe.
Nach Angaben des Ministers sei die kubanische Stromerzeugung momentan ausschließlich auf die spärlichen inländischen Vorkommen von Rohöl und Gas sowie auf alternative Energiequellen angewiesen. Vor der US-Energieblockade wurden zwei Drittel des Energiebedarfs in Kuba mit Importen von Kohlenwasserstoffen – vor allem aus Venezuela und Mexiko – gedeckt. In den letzten Jahren hatten chinesische Unternehmen auf der Insel Solarzellen mit einer Gesamtkapazität von 1.300 Megawatt installiert.

Kuba erlebt derzeit die wohl schwerste Energie- und Wirtschaftskrise in seiner Geschichte. Die ohnehin schon drakonische US-Blockade gegen den Karibikstaat, die seit Jahrzehnten andauert, wurde durch ein Dekret von US-Präsident Donald Trump vom 29. Januar dieses Jahres noch weiter zugespitzt. Der Republikaner betrachtet den Zehn-Millionen-Staat als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA und hat Kuba dringend geraten, einem Deal zuzustimmen, bevor es "zu spät" sei. Unterdessen geht die Trump-Regierung davon aus, dass die kubanische Führung am Ende sei und "kurz vor dem Kollaps" stehe. Die Regierung in Havanna wiederum wirft den USA wegen ihrer aggressiven Geopolitik Faschismus und Völkermord vor.
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