
Mord auf Okinawa ruft diplomatische Verwicklungen zwischen USA und Japan hervor

Wie die öffentlich-rechtliche japanische Rundfunkanstalt NHK News berichtet, steht ein US-Marineinfanterist im Verdacht, eine Einheimische ermordet und ausgeraubt zu haben. Des Raubmordes verdächtigt wird der 20‑jährige Devin B., der auf dem US-Militärflugplatz Futenma tätig ist. Der Tatverdächtige befindet sich im Gewahrsam der japanischen Polizei.

Die Polizei in der japanischen Präfektur Okinawa verdächtigt den US-Marine, die 39-jährige Yagi A. in der vergangenen Samstagnacht in einem Hotel in der Großstadt Naha erstickt und die Geldbörse sowie andere Wertgegenstände der Toten entwendet zu haben. Die Obduktion soll ergeben haben, dass das Opfer durch Druckanwendung auf den Hals ums Leben kam.
Die japanische Polizei stützt sich in ihren Ermittlungen auch auf Überwachungskameras des Hotels, die die Anwesenheit von B. zur Tatzeit womöglich belegen könnten. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen noch in der Tatnacht fest. Der US-Soldat bestreitet laut Polizei die Vorwürfe und soll bezüglich des Todes von Yagi A. erklärt haben, er habe "nichts davon gewusst."
沖縄県那覇市で発生した強盗殺人事件に関し、お亡くなりになった方に哀悼の意を表しますとともに、御遺族の皆様にお悔やみを申し上げます。 本件については沖縄県警による捜査が継続していますが、本日、米海兵隊員が逮捕されたと承知しています。 このように極めて残忍で凶悪な事件の発生は極めて遺憾であり、日本政府として米側に強く抗議するとともに、捜査への最大限の協力、米軍関係者の綱紀粛正と事件・事故の再発防止の徹底を強く求めたところです。 政府として、本件事案の対応につき、万全を期してまいります。
— 高市早苗 (@takaichi_sanae) October 4, 2026
Bis zu 30.000 US-Soldaten sind in der Präfektur Okinawa im Südwesten Japans stationiert. Sie machen damit das Gros der in Japan stationierten US-Truppen aus. Die Stationierung der US-amerikanischen Soldaten ist umstritten, auch weil es immer wieder zu Übergriffen auf die einheimische Bevölkerung kommt. Schwere Verbrechen wie Gewalttaten und Vergewaltigungen hatten in den Jahren 1995 und 2016 zu landesweiten Protesten geführt.
Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in Japan juristische Komplikationen bei von US-Soldaten verübten Straftaten. Das japanisch-amerikanische Statusabkommen über Streitkräfte sieht vor, dass US-Behörden vorrangig die Gerichtsbarkeit über im Dienst vorgefallene Verbrechen haben. Tatverdächtige, deren mutmaßliche Delikte außerhalb des Dienstes begangen wurden, sollen bis zur Anklage in US-Gewahrsam bleiben. Im aktuellen Fall machten die US-Sicherheitskräfte aber offenbar nicht von diesem Vorrecht Gebrauch.
先ほど防衛省において緊急記者会見を行いました。冒頭発言は以下の通りです。 本日(10月4日)16時50分頃、防衛省に在日米軍のジョスト司令官を呼び、このたび沖縄県那覇市で発生した強盗殺人事件について、日本側として極めて深刻に受け止めていると直接伝え、米側に強く抗議しました。 その上で、御遺族に対する適切な対応を求めるとともに、捜査への全面的な協力を求め、このような惨事が二度と繰り返されることのないよう徹底した綱紀粛正と再発防止策を講じるよう強く申し入れました。 防衛省としては、引き続き外務省や関係機関と緊密に連携しながら対応してまいります。
— 小泉進次郎 (@shinjirokoiz) October 4, 2026
Der Mord droht die US-amerikanisch-japanischen Beziehungen zu belasten. Das japanische Außenministerium gab am Sonntag bekannt, US-Botschafter George Glass einbestellt zu haben, um bezüglich des mutmaßlichen Raubmordes durch einen US-Soldaten Protest einzulegen.
Außenminister Toshimitsu Motegi forderte demnach die US-amerikanische Seite zur uneingeschränkten Kooperation bei den laufenden Ermittlungen auf. Außerdem appellierte er an die Vereinigten Staaten, durch eine stärkere Disziplin künftig solche Tragödien zu verhindern.
沖縄県で発生した日本人死亡事件をめぐり、米軍関係者の身柄が拘束されているとの情報を把握しております。亡くなられた方のご遺族に対し、米国政府として心より哀悼の意を表します。現在、事実関係の解明に向けた捜査が進められており、米国政府は日本政府および地元当局との緊密な連携のもと、引き続き協力を行っております。 @IIIMEF_jp
— アメリカ大使館 (@usembassytokyo) October 4, 2026
Ähnlich äußerten sich die japanische Premierministerin Sanae Takaichi und der japanische Verteidigungsminister Koizumi Shinjiro auf der Plattform X. Auch der stellvertretende Außenminister Funakoshi Takehiro soll Medienberichten zufolge mit dem US-Botschafter diesbezüglich telefoniert haben.
Botschafter George Glass bekundete sein tiefes Bedauern über den Vorfall und versprach, die Vereinigten Staaten würden uneingeschränkt zur Aufklärung des Falls beitragen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um Derartiges künftig zu verhindern. Entsprechendes postete die US-Botschaft in Tokio auch in den Sozialen Medien, wo sie den Angehörigen des Opfers kondolierte. Der US-Botschafter versicherte, bereits mit dem Gouverneur von Okinawa, Koja Genta, telefoniert zu haben.
Damit will sich Gouverneur Genta der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press zufolge jedoch nicht zufriedengeben. Er plant ein Treffen mit Premierministerin Takaichi und Verteidigungsminister Koizumi, um gegen das Verbrechen zu protestieren. Der "absolut unentschuldbare" und "ihn äußerst empörende" Mord dürfe nicht ignoriert werden.
Das Verbrechen fällt in eine Zeit, in der die zweijährlichen gemeinsamen Übungen des japanischen und des US-amerikanischen Militärs auf der zu Okinawa gehörigen Insel Yonaguni stattfinden sollen. Während des für Ende Oktober angesetzten Manövers "Keen Sword" werden die USA Medienberichten zufolge erstmals ein fortschrittliches Anti-Schiff-Raketensystem namens NMESIS dort stationieren.
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