Nahost

Iranische Schmuggeltaktik: Wie Washington den Ölexport aus dem Persischen Golf organisiert

Die USA griffen zu einer Methode, die bislang nur von Iran bekannt war: Geheime Ölumladungen auf offener See sollten den Export aus dem Persischen Golf sichern. An der verdeckten Operation war auch jener Apache-Kampfhubschrauber beteiligt, der am 9. Juni von Iran abgeschossen wurde.
Iranische Schmuggeltaktik: Wie Washington den Ölexport aus dem Persischen Golf organisiert

Das US-Militär hat in den vergangenen Wochen Dutzende geheimer Ölumladungen von Schiff zu Schiff überwacht, um den Energieexport aus dem Persischen Golf trotz des Krieges aufrechtzuerhalten. Dabei kamen Drohnen in der Luft und auf dem Wasser sowie Hubschrauber zum Einsatz, die Tankerkonvois zu wartenden Supertankern eskortierten.

Die Operation am Rand der Straße von Hormus nutzt ein Umladeverfahren, das bislang vor allem von Iran eingesetzt wurde, um Sanktionen zu umgehen. Nach Reuters-Informationen fanden die Umladungen an zwei Orten statt: vor der Küste von Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie vor dem omanischen Hafen Sohar.

Die Operation hatte Anfang Mai begonnen. Nach Auswertung von Schifffahrtsdaten und Satellitenbildern durch Reuters waren bislang mindestens 92 Schiffe an den Öltransfers beteiligt.

Nach Angaben von US-Regierungsvertretern mit Kenntnis der Operation war auch jener Apache-Kampfhubschrauber an der Operation beteiligt gewesen, der am 9. Juni von Iran abgeschossen worden war und anschließend US-Vergeltungsangriffe auslöste. Reuters zählte auf Satellitenbildern vom Tag des Abschusses sechs Tankerschiff-Paare, die sich auf engem Raum vor dem omanischen Hafen Sohar befanden.

Welche konkrete Aufgabe der Apache-Hubschrauber bei der Operation gehabt hatte, konnte Reuters nicht bestätigen. Nach Angaben der US-Regierung wurden beide Besatzungsmitglieder des abgeschossenen Hubschraubers von einem unbemannten Rettungsboot geborgen.

Die beiden Umschlagplätze liegen im Golf von Oman nahe dem Ausgang der Straße von Hormus und damit in unmittelbarer Nähe des Einflussbereichs der neu geschaffenen iranischen Behörde für die Verwaltung der Meerenge. Schiffe, die iranische Anweisungen missachten, laufen nach Angaben von Reuters Gefahr, Ziel von Drohnen- oder Raketenangriffen der Revolutionsgarden zu werden.

Der Hafen von Fudschaira wurde während der laufenden US-geführten Operation mehrfach von iranischen Angriffen getroffen. Am vergangenen Wochenende wurde nach Angaben des britischen Sicherheitsunternehmens Vanguard ein Tanker vor der Küste Omans von einem "unbekannten Geschoss" getroffen. 

Die riskanten und vergleichsweise ineffizienten Ölumladungen scheinen Teil der Bemühungen der Trump-Regierung zu sein, den Ölfluss aus dem Persischen Golf schrittweise wiederherzustellen. Präsident Donald Trump kündigte an, die Straße von Hormus solle im Rahmen des in dieser Woche vereinbarten Friedensabkommens mit Iran am Freitag wieder geöffnet werden.

Mehr zum Thema – Die Politik der Fallen und die Dynamik der Eskalation in der Iran-Strategie der USA und Israels

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