Deutschland

Geldverschwendung: Neue Kampfhubschrauber fliegen, können aber nicht kämpfen

Der neue Kampfhubschrauber H145 hat unter anderen Problemen mit der Bordkanone und der Panzerabwehr. Die Bundeswehr könne so nicht kämpfen, sondern lediglich ausbilden. Der Rechnungshof rät daher, die Bestellung weiterer 33 Maschinen aus dem Hause Airbus auszusetzen.
Geldverschwendung: Neue Kampfhubschrauber fliegen, können aber nicht kämpfen© Urheberechtlich geschützt

Der Bundesrechnungshof kritisiert die Beschaffung neuer Kampfhubschrauber für die Bundeswehr deutlich. Wegen massiver Mängel bei der Planung und der Qualifikation der vorgesehenen Munition dürften die bereits 2023 bestellten Leichten Kampfhubschrauber (LKH) erst viele Jahre später als ursprünglich vorgesehen voll einsatzbereit sein. Das berichtet der Spiegel am Montag.

Das Projekt befinde sich derzeit "auf einem kritischen Pfad", heißt es dort. Der Bundesrechnungshoff resümiert demnach:

"Die Bundeswehr hat den notwendigen Aufwand unterschätzt, ein marktverfügbares ziviles Basishubschraubermuster zu einem militärischen Kampfhubschrauber umzurüsten."

Die Bundeswehr erhalte deshalb zunächst Hubschrauber in "vorläufiger Konfiguration". Mit diesen könne sie "nicht kämpfen, sondern lediglich ausbilden." Die Einsatzbereitschaft werde sich daher "gegenüber der ursprünglichen Planung erheblich verzögern."

Im Jahr 2023 hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) grünes Licht für die Beschaffung erhalten. Für rund 2,5 Milliarden Euro Stuergelder soll Airbus laut Vertrag bis Ende 2028 Militärvarianten des H145M liefern. Das Modell basiert auf dem zivilen H145, der quasi um-, bzw. aufgerüstet wird. 

Probleme gibt es dem Bericht zufolge unter anderem bei der Munition für die Bordkanone. Die dafür vorgesehenen Geschosse seien bislang nicht von der Bundeswehr getestet worden. Die bisher verfügbare 20-Millimeter-Munition könne wegen "einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens" nicht als sicher erklärt werden. Wann der Hersteller das Problem beheben könne, bleibe im Dunkeln.

Auch bei den zur Panzerabwehr vorgesehenen Lenkflugkörpern sehen die Prüfer Risiken. Diese sollen ab Ende 2027 geliefert und anschließend von der Bundeswehr getestet werden. Das Verteidigungsministerium bezeichnet die Zeitplanung daher selbst als "sehr ambitioniert" und mit Risiken behaftet. 

Der Bundesrechnungshof kritisiert darüber hinaus, dass der Vertrag mit einem Volumen von 384 Millionen Euro bereits geschlossen werden soll, bevor diese Systeme überhaupt getestet werden konnten. Erste Schussversuche, die erst im Mai 2025 stattfanden, seien wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen worden.

Nach Einschätzung der Prüfer bestehe deshalb das Risiko, "dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht" und für die "Bundeswehr im Einsatz nicht nutzbar" wäre.

Die Verzögerungen könnten sich auch auf Zusagen der aktuellen Bundesregierung an die NATO auswirken. Deutschland bis 2029 zunächst zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber zur Verfügung stellen. Das Verteidigungsministerium wies allerdings die Befürchtung zurück, Deutschland könne diese Zusagen nicht einhalten.

Der Bundesrechnungshof empfiehlt außerdem, die Bestellung weiterer 33 Airbus-Hubschrauber vorerst zurückzustellen. Das Verteidigungsministerium solle erst dann weitere Leichte Kampfhubschrauber beschaffen, "wenn sichergestellt ist, dass der Auftragnehmer die vertraglich geschuldete Leistung erbringt." Derzeit sei "eine weitere Beschaffung weder angezeigt noch notwendig."

Pistorius hatte das Projekt bei der Übergabe des ersten H145M dagegen als Beleg für eine schnellere Beschaffung gewertet. Er habe die "Drehzahl der Beschaffung deutlich erhöht", sagte der SPD-Politiker. Das sei "gelebte Zeitenwende" – die sich nun an überteuerten Kampfhubschraubern, die nicht schießen können, offenbart. 

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