Landtagswahlen 2026

Umfrage zur Brandmauer: Ost und West driften bei der AfD-Frage auseinander

Die Debatte um die politische Brandmauer gegenüber der AfD gewinnt vor den Landtagswahlen im Osten in September neue Kraft. Eine Forsa-Umfrage zeigt nun: Ost- und Westdeutsche denken unterschiedlich darüber, ob eine Zusammenarbeit mit der Partei künftig denkbar wäre.
Umfrage zur Brandmauer: Ost und West driften bei der AfD-Frage auseinander© Urheberrechtlich geschützt

Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in September zeigt eine aktuelle Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, wie unterschiedlich Ost- und Westdeutsche über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD denken. Während im Osten eine knappe Mehrheit Koalitionen anderer Parteien mit der AfD grundsätzlich für denkbar hält, dominiert im Westen und im Bundesdurchschnitt deutlich die Ablehnung.

Aus der Forsa-Umfrage, die im Auftrag von Stern und RTL durchgeführt wurde, geht hervor, dass 53 Prozent der Ostdeutschen mögliche Regierungsbündnisse anderer Parteien mit der AfD befürworten, 44 Prozent sprechen sich dagegen aus. Im Westen liegt das Verhältnis aber umgekehrt: Dort halten 61 Prozent der Befragten an der Abgrenzung von der AfD fest, nur 37 Prozent sind für eine Lockerung der sogenannten Brandmauer, zwei Prozent äußerten sich nicht. Bundesweit betrachtet lehnt mit 58 Prozent ebenfalls eine klare Mehrheit Koalitionen mit der Partei ab, 39 Prozent stehen ihnen positiv gegenüber.

Als Brandmauer wird die politische Abgrenzung der übrigen Parteien gegenüber der AfD bezeichnet, mit der eine Regierungsbeteiligung der Partei verhindert werden soll. Angesichts der Wahlerfolge wird laut Stern innerhalb der anderen Parteien zunehmend über den künftigen Kurs debattiert.

Die Zustimmungswerte für die AfD selbst sind im Osten auch entsprechend hoch. In Sachsen-Anhalt, wo am 6. September gewählt wird, liegt sie in aktuellen Wahlumfragen bei 41 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Landtagswahl am 20. September stattfindet, bei 36 Prozent.

Ein Blick auf die Parteianhängerschaften zeigt: Nur unter AfD-Wählern selbst gibt es eine breite Zustimmung zu Bündnissen mit der eigenen Partei – hier sprechen sich 91 Prozent dafür aus. Die Mehrheit der Anhänger anderer im Bundestag vertretenen Parteien lehnt das jedoch ab: 64 Prozent bei CDU/CSU, 73 Prozent bei der SPD und 84 Prozent bei den Grünen.

Hintergrund der Umfrage ist die Aussicht, dass die AfD bei den bevorstehenden Landtagswahlen in beiden ostdeutschen Bundesländern stärkste Kraft werden könnte. Besonders in Sachsen-Anhalt war die Frage der Abgrenzung zuletzt Gegenstand hitziger Diskussionen. Zwar schließt CDU-Landeschef und Ministerpräsident Sven Schulze eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin aus, doch Fraktionschef Guido Heuer trat bei einer Veranstaltung auffallend kollegial gegenüber AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf und äußerte sich kritisch zum Begriff "Brandmauer".

Für die Erhebung befragte Forsa am 16. und 17. Juli 2026 insgesamt 1.006 Personen. Die statistische Fehlertoleranz liegt laut Institut bei plus/minus drei Prozentpunkten.

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