
Ein Novum in Washington: Abdul El-Sayed wird erster muslimischer US-Senator

Abdul El-Sayed, Epidemiologe und ehemaliger Beamter im öffentlichen Gesundheitswesen, der dem linken Flügel der Demokratischen Partei nahesteht, hat nach einer Prognose von NBC News die hart umkämpfte Senatswahl im Bundesstaat Michigan gewonnen. Er setzte sich gegen seinen republikanischen Herausforderer, den ehemaligen Abgeordneten Mike Rogers, durch. Damit wird El-Sayed als erster Muslim in den US-Senat einziehen.

Der 42-Jährige überwand eine Welle islamfeindlicher Anfeindungen, die von US-Präsident Donald Trump und anderen geschürt worden waren.
Zudem musste El-Sayed kurz vor der Wahl den überraschenden Seitenwechsel der Abgeordneten Haley Stevens verkraften. Die unterlegene Konkurrentin aus den demokratischen Vorwahlen hatte entgegen ihrer Zusage, ihn zu unterstützen, öffentlich den Republikaner Mike Rogers empfohlen, nachdem sie am Sonntag gemeinsam mit ihm einen Gottesdienst besucht hatte.
"Sie haben versucht, euch zu verwirren. Deshalb möchte ich eines klarstellen: Ich liebe Amerika", sagte El-Sayed am frühen Mittwochmorgen vor seinen Anhängern.
El-Sayed kritisierte zudem scharf jene, die seine Religion zum Wahlkampfthema gemacht hatten – von seinem republikanischen Kontrahenten Mike Rogers bis hin zu US-Präsident Donald Trump. Zugleich sagte er, er freue sich darauf, dass ausgerechnet Vizepräsident JD Vance, mit dem er sich öffentlich mehrfach auseinandergesetzt hatte, ihm den Amtseid im Senat abnehmen werde.
"Mike, genießen Sie Ihren Ruhestand", sagte El-Sayed mit Blick auf Rogers. "Sie haben sich für Hass entschieden, Michigan für Hoffnung. Hoffentlich müssen wir jemanden wie Sie in diesem Bundesstaat nie wieder erleben."
Mit seinem Sieg setzt sich eine lange Serie republikanischer Niederlagen bei Senatswahlen in Michigan fort. Seit dem Jahr 1994 hat kein Republikaner mehr einen Senatssitz in dem Bundesstaat gewonnen. El-Sayed tritt die Nachfolge des scheidenden demokratischen Senators Gary Peters an.
Das Duell zwischen dem 42-jährigen El-Sayed und dem 63-jährigen Rogers zählte zu den am stärksten beachteten und besonders hart geführten Senatswahlkämpfen in den USA. Ein Grund dafür waren El-Sayeds Verbindungen zu prominenten Vertretern des linken Parteiflügels wie Senator Bernie Sanders aus Vermont und der Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez aus New York. Auch seine Kritik an der israelischen Regierung, der er Völkermord vorgeworfen hat, sorgte wiederholt für Kontroversen.
Abdul El-Sayed: We want our taxes spent here, for schools here, and healthcare here, and infrastructure here. We don't want our money sent to do apartheid, or genocide, or war. https://t.co/k5sbdCyzOb
— Clash Report (@clashreport) November 4, 2026
Eine mit der pro-israelischen Lobbyorganisation AIPAC verbundene Gruppe gab mehr als 30 Millionen Dollar aus, um Haley Stevens in den demokratischen Vorwahlen gegen El-Sayed durchzusetzen – letztlich ohne Erfolg. In den letzten Wochen des Wahlkampfs griff die Gruppe erneut in Michigan ein. Stevens begründete ihre Abkehr von El-Sayed unterdessen mit dessen Haltung zu Israel.
Rogers und seine republikanischen Unterstützer versuchten, El-Sayeds israelkritische Haltung für Angriffe zu nutzen, die auch auf seine Religion anspielten und Zweifel an seiner Loyalität gegenüber den USA schüren sollten. Besonders Vizepräsident JD Vance griff El-Sayed wiederholt an. Der Konflikt zwischen beiden hatte sich zugespitzt, nachdem El-Sayed mit einer sarkastischen Bemerkung infrage gestellt hatte, ob Vances verstorbener Großvater aus den Appalachen die indischstämmige Ehefrau seines Enkels akzeptiert hätte.
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