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AfD-Politiker tragen Auseinandersetzung mit der Klinge aus

Der AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen gilt als notorisch zerstritten. Doch bisher trug man die Auseinandersetzungen hauptsächlich verbal und per Parteiausschlussverfahren und einstweiligen Verfügungen aus. Zwei Parteiangehörigen war dies allerdings offenbar zu langweilig. Sie fochten eine Mensur.
AfD-Politiker tragen Auseinandersetzung mit der Klinge aus

Die Mensur der Studentenverbindungen sollte im 19. Jahrhundert eigentlich die Überwindung der oft tödlich ausgehenden Duelle darstellen. Beim akademischen Fechten bleiben die sogenannten Paukanten festgenagelt an einem Ort stehen und unterliegen strengen Schutzvorkehrungen.

Da es sich um ein studentisches Ritual handelt, dient sie für gewöhnlich auch nicht der Austragung von Auseinandersetzungen. Ehrenhändel – also die Nutzung von Fechtkämpfen zur Beilegung von Ehrstreitigkeiten – sind in den deutschen Burschenschaften nicht erlaubt.

In der von einem intensiven Richtungsstreit zerrissenen nordrhein-westfälischen AfD kam es nun zu einer solchen Mensur. Dort herrscht bekanntlich ein Machtkampf zwischen dem sogenannten Vincentz-Lager um den Landessprecher und Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion Martin Vincentz und dem gegnerischen Lager, dessen Hauptvertreter der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich und der stellvertretende Bundesvorsitzende Sven Tritschler sind.

Das erstere Lager wird von den Mainstream-Medien als zumindest verbal gemäßigter eingestuft, das letztere gilt als radikal und völkisch-nationalistisch. Auch der Ukraine-Kämpfer Tim Schramm wird der Helferich-Tritschler-Strömung zugerechnet.

Die AfD-Kommunalpolitiker Matthias Büschges und Jeremy Franosch sind beide Ratsherren – der eine in Köln, der andere in Düsseldorf. Während Büschges angeblich dem Vincentz-Lager angehört, soll sich Franosch dem selbst ernannten "patriotischen" Lager um Matthias Helferich zurechnen.

Der weiteren Öffentlichkeit wären beide wohl weiterhin unbekannt geblieben, hätten sie nicht auf dem berüchtigten AfD-Aufstellungsparteitag im Juli 2026 für die kommende NRW-Landtagswahl den Beschluss gefasst, das traditionelle Fechtduell Mensur gegeneinander auszufechten. Über diese in der bundesdeutschen Parteipolitik ungewöhnliche Entscheidung berichtete als erstes das Online-Portal t-online.

Der Deutschen Presse-Agentur gegenüber erklärte Büschges, die Idee zur Mensur sei entstanden, als man sich "aus einer Bierlaune heraus" ein wenig aufgezogen habe. Mit der Partei habe das Ganze nichts zu tun, es handle sich um eine reine Privatsache. Man betrachte den Kampf lediglich als sportliche Herausforderung, die unter vollem Schutz ablaufen werde.

Beide Kontrahenten sind Angehörige von studentischen Verbindungen. Informationen des Kölner Stadtanzeigers zufolge soll Büschges Mitglied der Kölner Burschenschaft Alemannia sein, während Jeremy Franosch demnach der Alten Halleschen Burschenschaft Rhenania-Salingia zu Düsseldorf angehört.

Letzterer bestätigte gegenüber t-online, dass die Aufforderung zur Mensur von Büschges im Rahmen der Aufstellungsversammlung kam. Er könne sich kein abschließendes Urteil über die diesbezügliche Motivation seines Parteikollegen erlauben. Ihm selbst liege es jedoch "als Burschenschaftler und Waffenstudent" fern, politische Konflikte über eine Mensur zu lösen. Seine Parteikollegen würden ihm indes "Waffenschwein" wünschen, also viel Erfolg bei dem Fechten.

Medienberichten zufolge hat der rituelle Fechtkampf bereits stattgefunden, am Samstag, dem 17. Oktober, in Düsseldorf. Büschges Äußerungen nach hätten die beiden AfD-Politiker klären können, was vermeintlich – wenn man der medialen Berichterstattung Glauben schenken wolle – zwischen ihnen gestanden habe. Wer Sieger des Fechtkampfs war und ob es Verletzte gab, bleibt unklar. Nach Angaben von Büschges sollen nur "sehr wenige Parteimitglieder" anwesend gewesen sein.

Der AfD-Landesvorsitzende Vincentz äußerte gegenüber t-online milde Kritik gegenüber der Mensur der AfD‑Ratsherren. Er unterstütze das Vorhaben nicht, denn: "Politik heißt friedliche Lösungen und intellektuelles Kreuzen der Klingen", so Vincentz.

Der bayerische AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Birghan, selbst Mitglied einer pflichtschlagenden Studentenverbindung, beklagte wiederum auf X, dass das Wesen der Mensur in der deutschen Öffentlichkeit mittlerweile weitgehend unverstanden sei. Die AfD-Bundesspitze hat sich zum traditionellen Fechtduell in der NRW-AfD bisher nicht zu Wort gemeldet.

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