
Schweiz öffnet die Türen für Moskau und Washington: Lawrow und Rubio erwartet

Lugano könnte im Dezember zum Schauplatz eines wichtigen diplomatischen Treffens werden. Die Schweiz hat Russlands Außenminister Sergei Lawrow und seinen amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio zum 33. OSZE-Ministerrat am 3. und 4. Dezember eingeladen. Ob beide persönlich anreisen, soll sich nach Angaben von Außenminister Ignazio Cassis erst 24 Stunden vor Konferenzbeginn klären. Rund 1000 Teilnehmer aus 57 OSZE-Staaten und zwölf Partnerländern werden erwartet.

Eine mögliche Begegnung zwischen Lawrow und Rubio auf Schweizer Boden erhält auch durch ihre direkten Kontakte in den vergangenen Tagen zusätzliches Gewicht. Am 30. Oktober trafen sich die beiden Außenminister am Rande des G20-Treffens in Atlanta. Das Gespräch war zwar kurz, thematisierte jedoch die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sowie die Kooperation in internationalen Organisationen. Rubio hatte Lawrow zu dem Treffen eingeladen. Damit hält die Regierung von Donald Trump den direkten Gesprächskanal zum Kreml offen und setzt ihre Bemühungen fort, einen Weg zur Beendigung des Ukraine-Krieges zu finden.
Moskau hat seine Bereitschaft zu einer politischen und diplomatischen Lösung wiederholt bekräftigt. Auch bei früheren Gesprächen mit Rubio verwies Lawrow auf die Vorschläge, die Wladimir Putin und Donald Trump bei ihrem Treffen in Alaska im August 2025 erörtert hatten. Rubio wiederum erklärte, Washington sei bereit, einen konstruktiven Beitrag zur Beendigung des Krieges zu leisten.
Für die Schweiz bietet Lugano eine Gelegenheit, an ihre traditionelle Rolle als Gastgeberin internationaler Verhandlungen anzuknüpfen. Unter Cassis hat Bern in diesem Jahr bereits den direkten Kontakt mit Moskau gesucht. Im Februar reiste der Schweizer Außenminister als amtierender OSZE-Vorsitzender nach Russland, um Sergei Lawrow zu treffen. Im September erklärte Cassis, die Schweiz wolle die Friedensgespräche wieder in Gang bringen. Auch Genf war bereits Schauplatz trilateraler Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine.
Mit der Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland hat die Schweiz viel Vertrauen in Moskau verspielt. Statt an ihrer jahrzehntelangen Tradition der Neutralität festzuhalten und ihre Rolle als unabhängige Vermittlerin zu wahren, schloss sich Bern der Sanktionspolitik Brüssels an.
In Moskau wurde dies als politische Parteinahme des Bundesrates und als Abkehr von der Schweizer Neutralität verstanden. Dass Cassis nun wieder den direkten Kontakt zu Lawrow sucht, ist deshalb auch ein Versuch, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Dafür braucht es allerdings mehr als diplomatische Einladungen. Bern muss beweisen, dass die Schweiz wieder bereit ist, Moskau als gleichberechtigten Gesprächspartner zu behandeln und ihre Neutralität nicht nur auf dem Papier zu verteidigen.
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